Mittwoch, 27. Februar 2013
19:30 — Lesung

Der Journalist Claudius Seidl liest aus seinen Sammlungen von Kurzgeschichten über Berlin am 27. Februar 2013 um 19.30 Uhr. Die beiden Bücher Hier spricht Berlin und Schaut auf diese Stadt haben, als sie erschienen viel Wirbel gemacht – in diesen Texten, da waren sich die meisten Kritiker einig, wurde Berlin gehasst. Und dafür hassten sie die Bücher. Es ist aber komplizierter. Es geht eher ums Staunen, wenn man neu ist in Berlin. Es geht darum, der rauhen Berliner Wirklichkeit die eine oder andere Pointe abzuringen. Und es geht, mindestens so sehr wie um die Kritik Berlins, auch um die Kritik deren, die nach Berlin gekommen sind. Und es geht ums Vergnügen, das alles zu beschreiben. Dieses Vergnügen teilen sich der Journalist und Ralf Schmerberg. Beide Männer sind feinfühlige Beobachter des Alltags, die in ihren unterschiedlichen Sprachen nicht nur die Leben der Menschen beschreiben, sondern oft auch deren Pulse erspüren und Möglichkeiten ausloten. Der Bildermacher hat eine Ausstellung über sein Leben in Berlin gemacht. Mehr als 15 Jahre hat er es fotografiert und gefilmt. In einer Auswahl von Fotografien und Videos zeigt er die Direktheit, die Essenz, den Humor der Stadt. Unmittelbar und stark. Mit seinem Blick sieht er das Absurde, das Gute, das Skurrile, das Detail im Leben. Seine Ausstellung Der Tod nimmt sich einen Tag nach dem anderen ist ein Tagebuch, in dem er zeigt, warum er einer der gefragtesten Bildermacher der Gegenwart ist. In seinem Atelier hoch oben in Kreuzberg an der Spree ist das Glück und das Leid, das die Stadt schafft, ganz eigen und so klar eingefangen. Dort ist ein Raum entstanden, in dem man als Betrachter aus einer guten Entfernung diese besonderen Einblicke in die Kulissen des Berliner Alltags bekommen kann. Und man fürchtet sich ein wenig. Lacht laut auf. Ist eingefangen von einem wilden Zauber. Und fängt an, in der Strömung der Stadt mit schwimmen zu wollen. Auch damit sie einen nicht runter zieht.

Wir freuen uns, Sie zur Lesung am Mittwoch, den 27. Februar 2013 um 19.30 Uhr begrüßen zu dürfen.

Atelier Ralf Schmerberg
Schlesische Strasse 38
Haus F (3. Hinterhof)
10997 Berlin Germany

Ansprechpartner
Andrea Elsper
+49 30 8170 8891
andrea@ralfschmerberg.com

Die Ausstellung läuft bis zum 1. März 2013.

Öffnungszeiten:
Dienstag, Donnerstag und Samstag
13.00 – 20.00 Uhr
Mittwoch und Freitag
17.00 Uhr – Mitternacht

Mehr über die Arbeit von Claudius Seidl finden Sie auf www.faz.de, von Ralf Schmerberg auf www.ralfschmerberg.de.

 

 

Über Claudius Seidl

Claudius Seidl ist in Würzburg geboren. Er studierte in München, Theater und Politikwissenschaft; Volkswirtschaftslehre zum Ausgleich. Genauso wichtig war das Studium der Filmgeschichte im Münchner Filmmuseum bei Enno Patalas. Erste Filmkritiken erschienen 1983 in der Süddeutschen Zeitung, seit 1985 auch in der Zeit. 1990 Eintritt in die Redaktion des Spiegels, als Chef eines kleinen Ressorts, das sich mit populärer Kultur befasste. 1996 Wechsel zur Süddeutschen Zeitung als stellvertretender Feuilletonchef. Seit 2001 Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er hat Bücher über den deutschen Film der fünfziger Jahre, über Billy Wilder, Uschi Obermaier, das barbarische Berlin und die Frage, warum wir nicht mehr (oder ganz anders) altern geschrieben.

Bücher (Auswahl)
1988 – Billy Wilder. Seine Filme – sein Leben, Heyne
1991 – Der deutsche Film der fünfziger Jahre, Heyne
2000 – Das wilde Leben, Hoffmann und Campe
2003 – Hier spricht Berlin, Kiepenheuer & Witsch
2005 – Schöne junge Welt. Warum wir nicht älter werden, Goldmann
2007 – Schaut auf diese Stadt, Kiepenheuer & Witsch
2010 – Talking Jazz, Kiepenheuer & Witsch

 

Über Ralf Schmerberg
Ralf Schmerberg bricht mit 16 Jahren seine Lehre ab und zieht in Bhagwans Ashram nach Oregon. Dort lebt er fünf Jahre im Schutz der Glaubensgemeinschaft zwischen den USA und Indien. Die Zeit prägt seine humanistische Sicht auf die Welt. Er verlässt den Zusammenhalt, um mit 22 Jahren ein selbständiges Leben als Fotograf zu beginnen. Sieben Jahre später wendet er sich dem Medium Film zu. Seine ersten Arbeiten sind kurzfilmartige Musikclips und Werbespots, die sehr früh diesen besonderen, offenen Blick in die Kulissen des Alltags geben. Dabei ist Ralf Schmerberg von Anfang an interessiert, das Menschliche durch Film und Fotografie beinahe schon zärtlich zu zeigen. Er beschreitet mit den Medien außergewöhnliche Wege, um das, was er in der Welt sieht, und das, was er in kreativen Kollektiven zu leben und lernen wagt, adäquat auszudrücken. Seine Bilder sind Aufnahmen aus dem Inneren der Gesellschaft. Diesen besonderen Blick zeigte er bis jetzt in über 200 Werbe-, Musik- und Kurzfilmen, u. a. für Nike, Levi’s, Lufthansa, American Express, die Stadt Paris und bei zwei Antiaidskampagnen für die United Nations Foundation sowie in künstlerischen Einzel- als auch Gemeinschaftsprojekten.
Seine Arbeiten wurden zahlreich ausgezeichnet u.a. mehrmals mit dem Goldenen Löwen in Cannes, dem UNESCO Award oder dem Lead Award als Creative Leader of the Year und sind Teil der permanenten Sammlung des Museums of Modern Art in New York. Seine eigenständigen Kunstprojekte wie dropping knowledge, Poem, Problema oder The Table of Free Voices sind Bilderwelten, in denen Grenzen der Gesellschaft ausgelotet und erweitert werden. Immer ist er dabei bedacht die Wirkung der kleinsten sozialen Bewegung aufzufassen, als die er sich selbst auch wahrnimmt. Dabei ist Ralf Schmerberg immer nah an den Menschen, Stimmungen und Gefühlen und dringt mit seinen Bildern in die Schichten der Humanitas vor, um eine Tiefe zu entwickeln, die emotionale Räume schafft. Sie scheinen mit der Kraft der mündlichen Tradition zu funktionieren, an die sich das elektronische kollektive Denken nur noch vage erinnert. So ermöglicht er angstfrei jene unverstellten Aspekte, die jedem Menschen eine Biographie zugesteht. Auch weil jedes Leben Besonderheiten besitzt, die über das Leben des Einzelnen hinausführen und dann für uns wirksam werden, nämlich als die Möglichkeit einer Teilhabe und Gemeinschaft. Er ist überzeugt, dass kurze Filme, wie sie in der Werbung und Musikindustrie verwendet werden, viele Botschaften vermitteln, Zeitgeist transportieren, aber auch gegen bestimmte Missstände protestieren können. Seine herausragenden Kompositionen prägen mit unser Verständnis von Bild und Film in der Gegenwart.

Ralf Schmerberg hat 1995 mit der Produzentin “Eva” Sigrid Maier-Schönung die Produktionsfirma Trigger Happy Productions gegründet. Er ist Mitglied in der Directors Guild of America. Der Künstler ist einer der gefragtesten Bildermacher weltweit und lebt in Berlin.

Projekte (Auswahl)
1996 – Hommage à noir / Film
2003 – Poem – Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug / Film
2003 – dropping knowledge / Internetplattform für sozialen Dialog
2005 – Dirty Dishes / Buch / Hatje Cantz Verlag
2006 – Table of Free Voices / Performance
2007 – Trouble – Teatime in Heiligendamm / Film
2008 – Dare / Kurzfilm
2010 – Problema / Film
2011 – Holy Wood / Installation
2012 – Possession / Kurzfilm
2012 – The Lovers / Art Happening und Film
2012 – Der Tod nimmt sich einen Tag nach dem anderen / Ausstellung

Ausstellungen (Einzel- und Gruppenausstellungen – Auswahl)
1993 – 2001 – The Tribe of White Warriors / u.a. Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main, Kunst und Gewerbemuseum als auch Museum für Völkerkunde in Hamburg
1997 – 2002 – Hommage à Noir / u.a. Pace-Wildenstein-Mac Gill in Los Angeles, Peter Hermann Gallery in Berlin
2002 – Afrika / Paul Löbbe Haus, Bundestag in Berlin
2008 – Whole Lotta Love / Contemporary Fine Arts in Berlin
2011 – Über die Metapher des Wachstums / Frankfurter Kunstverein in Frankfurt am Main
2012 – Draftmen’s Congress / 7. Biennale in Berlin
2012 – Fracture / Galerie Gabriel Rolt in Amsterdam
2012 – Off the People / Contemporary Wing in Washington

Credits (von links nach rechts):

Ralf Schmerberg:
In leeren Momenten die Leere liebkosen
Ditone Print, 150 x 234 cm, 1999
Edition of 3 and 1 Artist Print

Claudius Seidl
Hier spricht Berlin, Kiepenheuer & Witsch, 2003
Schaut auf diese Stadt, Kiepenheuer & Witsch, 2007

Die Bilder dürfen ausschließlich für Publikationszwecke in Verbindung mit der Lesung und Ausstellung und den entsprechenden Bildunterschriften benutzt werden.